11. September 2026
Du bist nicht falsch, nur weil du einen Fehler machst.

„Schäm dich!“
Diesen Satz kenne ich aus meiner Kindheit. Er wurde gesagt, wenn man sich nicht richtig benahm, bestimmte Gefühle zeigte oder etwas tat, das man „nicht macht“.
Heute frage ich mich: Was bewirken solche Worte bei einem Kind?
Kinder machen Fehler. Sie verletzen andere, überschreiten Grenzen oder handeln manchmal egoistisch. Das gehört zum Aufwachsen. Sie müssen lernen, ihr Verhalten zu reflektieren, Verantwortung zu übernehmen und Dinge wiedergutzumachen.
Doch es macht einen Unterschied, ob wir sagen: „Das war nicht in Ordnung.“ oder: „Schäm dich!“
Das eine benennt ein Verhalten. Das andere kann beim Kind ankommen wie: „Mit mir stimmt etwas nicht.“ Denn: Etwas falsch zu machen bedeutet nicht, falsch zu sein.
Keine Scham, aber Verantwortung
Eine Freundin hat mir erzählt, wie sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit Scham in der Kindheit eine Familienregel für ihre Kinder formulierte:
„Ihr braucht euch für nichts zu schämen. Wenn ihr aber etwas tut, von dem ihr wisst, dass es lieblos oder nicht in Ordnung war, müsst ihr aushalten, dass Mama oder Papa schimpfen.“
Die Botschaft war klar: Euer Verhalten hat Konsequenzen – aber ihr seid deshalb nicht weniger wertvoll.
Nach einem Besuch erzählte ihre damals fünfjährige Tochter, dass jemand zu ihr gesagt hatte: „Du solltest dich schämen!“
Ihre Antwort: „Wie soll ich mich schämen, wenn ich nicht weiß, was das ist!“
Ein wunderbar kindlicher Satz – und gleichzeitig eine ziemlich starke Haltung.
Wir müssen nicht perfekt sein
Vor vielen Jahren hörte ich in einem Erziehungsvortrag von Jan-Uwe Rogge einen Satz, der mich sehr entspannt hat:
„Kinder würden an perfekten Eltern zerbrechen.“
Wir müssen unseren Kindern keine perfekten Eltern sein. Wir dürfen Fehler machen, sie zugeben und uns entschuldigen. Gerade darin können wir ihnen zeigen, wie Verantwortung und ein guter Umgang mit eigenen Fehlern aussehen.
Mein Fazit
Vielleicht gehört Scham zum Menschsein. Entscheidend ist, ob sie sich gegen unsere eigene Person richtet oder uns hilft, unser Verhalten zu hinterfragen.
„Ich habe etwas getan, das nicht richtig war.“ ist etwas anderes als „Ich bin nicht richtig.“
Eine der wichtigsten Botschaften in der Erziehung könnte deshalb sein:
Du darfst Fehler machen. Du darfst daraus lernen. Und du bist trotzdem wertvoll.
Wer das erlebt, kann leichter Verantwortung übernehmen – ohne sich selbst dafür abzuwerten.
Welche Worte aus deiner Kindheit begleiten dich bis heute?
